Homo-Ehe auch in Deutschland? – Unsere Welt ist bunt!

Von Simone Oger

Köln, 23. Mai 2015, 8.15Uhr.
„prrr, prrr“ – mein Handy vibriert. Ich greife schläfrig auf meinen Nachttisch. Es ist eine Notification von Spiegel Online. In Irland wurde gestern die Homo-Ehe eingeführt. – Als erstes europäisches Land.

 Was der Vatikan als „Niederlage für die Menschheit“ betitelt, feiere ich freudig und teile es meinen Mitbewohnern mit großer Begeisterung am Frühstückstisch mit. – Wow, Irland? Als katholisches Land? Das ist ja krass! – Und tatsächlich ist es das. So war Homosexualität in Irland noch bis zum Jahr 1993 verboten. Wir freuten uns bei Kaffee und Körnerbrot über die neugewonnene Gleichberechtigung für unsere homosexuellen Freunde und dachten (naiver Weise), dass der Rest von Deutschland uns dies gleich tun würde.
Tatsächlich beflügelte die Abstimmung der Iren auch in Deutschland die Debatte über die Homo-Ehe neu. Hier gibt es zwar seit 2001 die eingetragene Lebenspartnerschaft, jedoch keine Eheschließung für Homosexuelle, die mit der von heterosexuellen Paaren vergleichbar ist. Neben steuerlichen Nachteilen enthält die eingetragene Lebenspartnerschaft generell weniger Rechte – und um ein Recht besonders hervorzuheben – kein Recht auf Adoption.
Der eigentliche Hype dieser Diskussion „Homo-Ehe Ja oder Nein?“ erreichte mich wenige Tage später über Facebook. Und das im Grunde völlig unerwartet, denn eigentlich dachte ich meine Freunde hätten die gleiche Meinung wie ich. Immerhin bilden wir eine Generation die mit dem New Queer Cinema und mit Serien wie Queer as Folk, The L-Word und Sex and the City groß geworden ist. Auf Facebook und Twitter habe ich Sätze gelesen wie: „Ich habe ja echt nichts gegen Homosexuelle, ich finde jedoch, dass die Ehe eine geschützte Institution ist und diese auch bleiben sollte.“ Ich denke das Problem für die Gegner der Homo-Ehe ist, dass sie kein einziges homosexuelles Paar persönlich kennen und sie daher in ihrer vorurteil-klischeebehafteten Meinung festgefahren sind. Frei nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt – frisst er nicht!“ Denn würden sie die Frau kennen, die ihre beste Freundin von Herzen liebt oder den Mann, der nicht ohne ihren Bruder leben kann, glaube ich nicht, dass sie noch der selben Meinung wären. Ich kann in einem so kleinem Kolumnenbeitrag nicht alle Aspekte mit einbeziehen und mir ist klar, dass es auch religiöse oder politische Gründe für eine Meinung gegen die Homo-Ehe geben kann. Aber ehrlich gesagt würde ich auch nicht auf diese Themen eingehen, wenn ich ein 100-seitiges Buch zur Verfügung hätte. Religion schätze ich nur dann als ein gesellschaftliches Gut ein, wenn sie den Menschen ihre Freiheit lässt und von Politik halte ich nur dann etwas, wenn es den Politikern nicht um Geld geht. Und da meistens Beides nicht der Fall ist, appelliere ich hier einfach nur an euren Menschenverstand und euer Herz – für ein bisschen mehr Toleranz und Offenheit. In diesem Sinne werde ich mich nun auf meine Couch chillen und auf Netflix die neuen Folgen Orange is the new Black schauen, denn dort sind die Mädels zwar im Gefängnis aber im Geiste freier als manch Diskriminierter der LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) Community in Deutschland. Unsere Welt ist bunt – lasst die Farben leben.

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