Allen geht es besser als mir

ODER: WARUM UNS VERGLEICHE UNGLÜCKLICH MACHEN

Das Leben ist ein ständiger Vergleich – wir vergleichen Flüge, Schokoladenmarken, Körpermaße, unsere Erfolge und Niederlagen. Wir lernen schon in früher Kindheit, dass wir uns in einem konstanten Wettbewerb befinden. Als ich im Kindergarten war, verglich meine Erzieherin die Äpfel und Birnen, die ich aus Papier ausgeschnitten hatte, mit denen eines anderen Kindes. Meine Früchte sahen ziemlich unregelmäßig aus und ich weiß noch, dass es mich verletzte, als sie mir daraufhin sagte, dass ich doch ein wenig ungeschickt sei und die anderen Kinder schon viel, viel besser ausschneiden könnten (ich sage euch, das Erste, was man euch bei einem Vorstellungsgespräch fragen wird, ist wie gut ihr Früchte aus Bastelkarton ausschneiden könnt).Irgendwann beginnen wir dann, unsere ersten Tests in der Schule zu schreiben und alle Schüler werden miteinander verglichen. Dann geht es weiter an der Uni und/oder unserer Arbeitsstelle. Das Leben scheint aus einem ständigen Sich-Beweisen-Müssen zu bestehen, man muss permanent zeigen, dass man alle Anforderungen erfüllen kann, die die Menschen um einen herum stellen. Und das am besten besser als alle Anderen. Ich weiß, dass ich den Wettbewerb nicht ändern kann, der in dieser Welt so omnipräsent zu sein scheint und mir ist auch bewusst, dass wir ihn ja auch irgendwie benötigen, weil es eine gute Sache ist, sein Können unter Beweis stellen zu dürfen und dann den Lohn dafür zu ernten.

Jedoch sehe ich auch viele Vergleiche, die uns nicht gut tun. Oder schlimmer – Vergleiche, die uns sogar ziemlich runterziehen können. Ich bin der Meinung, dass einer der Gründe, dass wir nicht immer ganz zufrieden mit unserem Leben sind, unser ständiger Vergleich mit Anderen ist. Besonders nach der Schulzeit (oder nach der Uni) schaut jeder ganz genau, was alle Anderen denn gerade so machen und das macht uns entweder Angst und zieht uns runter („Hilfe, alle studieren schon sinnvolle Dinge wie Medizin oder Jura, haben einen Job oder helfen kranken Tierbabys in Uganda und ich habe das letzte halbe Jahr nur rumgesessen und Serien auf Netflix geschaut!“) oder erleichtert („Aaah, ein Glück, Hannah weiß auch noch nicht, was sie denn eigentlich mit ihrem Leben machen will“). Und selbst wenn alle eure Freunde exotische Orte bereisen und wilde Barbecue-Orgien mit australischen Surferboys feiern, gerade dabei sind, ein Mittel zu entdecken, das Krebs UND Aids heilen kann oder zurzeit im weißen Haus ein Praktikum machen und jeden Abend mit „Barack“ noch ein Bierchen trinken gehen – das alles ist EGAL. Das Leben, das ihr lebt, ist euer eigenes und eure Erfolge werden nicht durch Leistungen von Anderen definiert. Jeder schreitet mit seinem eigenen Tempo durchs Leben und wenn ihr jetzt eben noch ab und zu an Entscheidungen zweifelt, sei es der Studiengang, der Stadtwechsel oder nur eure Haarfarbe – lasst dies zu. Manchmal braucht man etwas länger, um den richtigen Weg zu finden. Und auch wenn es ab und zu so scheint, als seien alle auf der Überholspur und man selbst kommt kaum voran und da liegen vielleicht sogar noch so ein paar blöde Steine rum, müssen wir entweder versuchen, diese Steine wegzuräumen oder manchmal eben einen anderen Weg einschlagen. Aber all dies sollten wir tun, weil wir es für richtig halten und nicht, weil wir mit irgendjemandem mithalten möchten. Es ist toll, wenn wir uns mit wunderbaren Menschen umgeben können, die uns in unserer Entscheidungsfindung inspirieren, Vorbilder sind oder uns Ratschläge geben. Jedoch sind letztendlich wir es, die mit der Richtung, die wir einschlagen, leben müssen und diese Richtung sollte nicht durch die Lebenswege Anderer definiert werden.

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