„Sound of 2015“: Years & Years

FRISCHER UND MODERNER SYNTHIE-POP AUS GROSSBRITANNIE

Dass Großbritannien die Wiege der Musik und vor allem des Pop ist, ist klar. Um die Trends des kommenden Jahres zu setzen, veröffentlicht die BBC jedes Jahr die „Sound of …“-Liste. Wer es auf diese Liste schafft, ist Aufmerksamkeit garantiert. Im letzten Jahr war dort untere anderem ein gewisser Sam Smith vertreten. Auf der „Sound of 2015“-Liste hat es diesmal geschafft: das Trio Years & Years. Klar, aus Britannien kommt ein Haufen experimentellere Dance-Popbands, doch Years & Years ist tatsächlich bisher das Beste, was dem Jahr 2015 popmusikalisch passieren konnte. Am heutigen Freitag (10.Juli) erscheint ihr Debüt-Album „Communion“.

Doch wer sind die drei eher schmächtig-hipsterig aussehenden Jungs von der Insel? 2010 gründet der Australier Michael Goldsworthy (spielt den Synthesizer/ Bass) mit seinem Kumpel Emre Turkman (Beats) die Band. Und es kommt, wie es in so vielen Band-Viten zu finden ist. Nach einer durchzechten Hausparty hören sie Olly Alexander unter der Dusche trällern. Und schon war es um sie geschehen. Dass das nicht schwer ist, beweisen sie mit ihren ersten Tracks, die sie seit 2013 im Netz veröffentlichen. Viele denken zunächst, dass die Stimme von Years & Years weiblich ist, denn Olly hat wirklich eine sehr zerbrechlich hohe Stimme. Warum sie sich den Namen Years & Years gegeben haben? Sie mögen einfach, wie der Bandname mit den zwei ‚Y‘ harmoniert, sagen sie selbst. So einfach kann’s sein.

Doch, wie klingen Years & Years? In einem Interview sagt Michael, dass der Weg zu dem eigenen Sound ein langer war. Doch die Experimente haben sich gelohnt: Years & Years machen frischen, klaren Synthie-Pop. Ihr Hit „King“ hat schnell die vorderen Plätze der europäischen Chartlisten erobert. Sicher habt auch ihr den Song schon durch das Radio mitbekommen. Doch Years & Years sind weitaus mehr als „King“. Fast jeder Song auf dem Album hat Hit-Potential. Hier meine bisherige Top3:

  1. „Shine“ – Ihre aktuelle Single. Ein bestechender Mix aus melancholischem Gesang von Olly mit tollen Lyrics und gut getimten Beats. Trotz Party-Beats: In jeder Zeile hört man die Zerbrechlichkeit in der Stimme. Perfekte Komposition und Produktion machen den Song zu einem heißen Anwärter auf den Sound des Sommers 2015.
  2. „Desire“ – Damit hat alles begonnen. Einer der ersten Songs der Band. Der Beat bringt den Song direkt zu Beginn schnell voran. Spätestens beim Refrain bleibt keiner mehr stehen: Super zum mittanzen und mitsingen!
  3. „Eyes Shut“ –Es muss nicht nur tanzbar sein. Hier zeigt sich Olly gefühlvoll. Auf einem Konzert im Gebäude 9 im Frühjahr sagte Olly vor diesem Song mit einem großen Augenzwinkern: „You can now touch yourself“. Nicht wenige sind dieser Aufforderung gefolgt.

Alles spricht dafür, dass Years & Years noch weiter durch die Decke gehen. Im Angesicht dieser Platte mehr als verdient. Wichtige Auftritte im deutschen TV haben sie schon hinter sich (Circus Halligalli, Aspekte), doch nicht nur musikalisch leben Years & Years sich aus: Die Musikvideos sind ebenfalls extrem sehenswert. Nicht zuletzt wegen toller Choreographien und minimalistischen Settings.

Und noch etwas: Wer bei Songs wie „Real“ kurz stutzt beim Hören: Ja, es werden mitunter männliche Pronomen benutzt. In einem Interview mit Ampya äußert sich Olly enttäuscht darüber, dass schwule Männer nicht korrekt über ihre Liebe und den Liebsten singen können. Mit ein paar Songs auf dem Album wollen sie vorangehen und das ändern. Was aber auch egal sein sollte, denn die Musik von Years & Years überzeugt einfach, egal welcher sexueller Orientierung.

„Communion“ kann auf jeder gängigen Plattform (Apple Music, Spotify, Deezer) gestreamt werden. Ansonsten für kleines Geld auf iTunes und Amazon zu erwerben.

Erfahrungsgemäß folgt eine Tour im Herbst oder spätestens im nächsten Jahr.

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