Queerkopf

DAS ELENDIGE IDEAL DER MÄNNLICHKEIT

Von Florian Forbriger

„Ich bin ja so froh, dass du nicht so schwul bist – also, verstehe mich nicht falsch, nicht so tuntig“ Und ich könnte kotzen. Es ist ein Satz, den ich so oder so ähnlich schon häufiger gehört habe. Wohl gemerkt nicht nur von heterosexuellen Freunden und Bekannten – nein, auch in der Gay-Community pflegt man gerne das Image des heterosexuellen „männlichen“ Mannes.

Um ehrlich zu sein habe ich das früher auch noch als Kompliment aufgefasst. Ist doch schön, nicht aufzufallen. Und überhaupt, so anders wie alle Anderen bin ich doch auch gar nicht. Ich stehe eben nur auf Penisse, wie ein großer Teil der restlichen Gesellschaft auch. Ist doch gut wenn mir meine Andersartigkeit nicht direkt auf die Stirn geschrieben ist.

Liebes junges Ich, zum Glück hast du im Leben den ein oder anderen Gender- und Queer Studies Kurs besucht. Was hier nämlich geschieht ist nichts weiter als die Fortführung von tradierten Genderrollen und die Stigmatisierung von deren Abweichungen. Wer Sätze sagt wie: „Ich habe ja nichts gegen Schwule, aber muss das denn immer jeder mitbekommen?“ hat meiner Meinung den Titel „Homophobes Arschloch“ verdient. Denn nichts anderes als Homophobie versteckt sich in solchen Aussagen. Es ist der verkappte Wunsch nach einer binären Gesellschaft, die klar männlich oder weiblich ist und sich bitte auch so verhält. Aber, die Regenbogen Flagge ist nicht ohne Grund kein Remix vom Yin und Yang, sondern bunt und damit so vielfältig wie ich mir meine Gesellschaft wünsche. Sie ist Sinnbild für einen Idealismus der schnell außer Acht kommen kann, wenn man sich von der dargebotenen Diversität einer CSD-Parade ablenken lässt. Der Regenbogen ist ein starkes Zeichen gegen die Ausgrenzung von Anderen. Ein Symbol für den Humanismus und damit einem Ideal dem alle folgen können.

Wer dann noch immer zwischen gutem und schlechtem queeren Verhalten unterscheiden möchte, hat ebenjenen Grundgedanken der Vielfalt nicht verstanden. Das Heteroideal sollte ausgedient haben und nicht immer reproduziert werden. Das Nacheifern eines Männerbildes welches sich selbst zur Norm erklärt hat ist doch purer Bullshit und völlig fernab der Realität. Wieso lassen wir uns noch immer in Rollen pressen, die es zu erfüllen gilt?

Der Gipfel der Idiotie liegt meiner Meinung dann bei schwulen Typen denen andere zu weiblich, weich und warm sind. Wieso werden Unterdrückte zu Unterdrückern? Wieso nutzen sie damit die Werkzeuge der heteronormativen Welt? Und verdammte noch mal, wem soll das irgendetwas bringen? Ich sehe unsere Gesellschaft noch nicht an dem Punkt, an dem man aufhören kann zu kämpfen. Aufhören für die eigenen Rechte und die anderer auf die Straße zu gehen. Es sind die kleinen Dinge des Alltags die die Ungerechtigkeit und Ungleichheit immer wieder ans Licht bringen.  Es sind Aussagen, wie die anfangs wiedergeben die mich erkennen lassen, dass wir alle in Sachen Gendergerechtigkeit noch einen weiten Weg gehen zu haben.

 

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