Kritik zu „XXX: Return of Xander Cage“ (US 2017)

Katharina Görgen und Peter Scheinpflug teilten sich für geraume Zeit ein gemeinsames Büro und lieben Filme über alles – nur nicht dieselben Filme. Dafür streiten sie sehr gerne. Und daher schreiben sie Kritiken zu denselben Filmen. Viel Spaß beim Lesen!

Katharina Görgen

Action, Baby!

Vin Diesels Triple X ist der Gegenentwurf zum sophisticated spy, der in Bond seinen Vertreter mit globalem Appeal gefunden hat. Statt im Smoking in Casinos zu agieren, lässt er sich den fragwürdigen Pelzmantel von zwanzigjährigen Schönheiten vom Leib reißen, die offensichtlich an dem Abend nichts anderes zu tun hatten – ein paar Parallelen gibt es also doch….

Für alle, die sich immer zu fein waren, um Triple X zu schauen, hier die Basics: Um wirklich gefährliche Verbrecher zu bekämpfen, wurden wirklich gefährliche Verbrecher rekrutiert. Clever, oder? Die Legende unter den Zwangsbeglückten ist Xander Cage – weil er eben diesen Mantel mit Pelzkragen hat und One-Liner raushaut, die James Bond die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. Dieser Xander Cage, der seinen „wohlverdienten Ruhestand“ an irgendeinem sehr warmen Ort damit verbringt für die Armen und Unterdrückten Receiver auf die denkbar spektakulärste Art und Weise zu stehlen, damit das Fußballspiel geschaut und die Belohnung in Form einer exquisiten Schönheit vernascht werden kann, dieser Xander Cage kehrt zurück in den operativen Dienst, um das Erbe seines „recrutors“ und Freundes zu retten. Denn Männerfreundschaften sind und bleiben das höchste Gut in dieser Welt voller Muskeln und Kampftechnik.

Wer jetzt denkt, Triple X sei einfach ein weiteres B-Movie mit sehr viel Action, der irrt. Bis die Welt ein weiteres Mal gerettet ist, entfalten hier Muskeln, PS, Waffen und Coolness ihr volles Potential.

Denn um die „Büchse der Pandora“ zu bekommen, rekrutiert Xander ein Team aus anderen Verrückten, die zu Agenten gemacht wurden, super hot sind (die Frauen ein bisschen mehr als die Männer) und vor allem Meister der Kampfkunst. Xander umgibt sich hier mit der Crème de la Crème einiger großer asiatischer Filmtraditionen. Und die dürfen in den zahlreichen Actionszenen zeigen, was sie können. Denn Xander verbündet sich ganz unprätentiös mit allem, was kämpfen kann, und vor allem: allem, was cool ist. Daraus ergibt sich eines der abwechslungsreichsten und schlagkräftigsten Teams der letzten Zeit, das gar nicht immer zu den Waffen greifen muss. Wie verhindert man ein Attentat auf einer tropischen Insel voller Outlaws? Mit der richtigen Partymucke! Xander Style eben.

Peter Scheinflug

Endlich mal wieder ein Film, der genau weiß, was er ist und was er kann. Und nicht mehr. Der sich selbst treu ist, es voll durchzieht und einfach das Beste daraus macht.

XXX: THE RETURN OF XANDER CAGE ist fantastisches Mega-Macho-Krawall-Action-Kino mit reichlich Augenzwinkern und einem ganz breiten Grinsen. Und das ist ab der ersten Szene mehr als klar. Niemand am Set fühlte sich offenbar genötigt, verzweifelt und verklemmt ernst, intelligent oder ambitioniert avantgardistisch sein zu müssen. Aber alle hatten bestimmt ihren Spaß. Die Stunts sind ebenso unrealistisch wie spektakulär – von der Skifahrt im Dschungel bis zum Uppercut mit einem Motorrad. Die Kämpfe sind ebenso hart und brutal wie atemberaubend choreographiert. Alle Männer sind wirklich harte Machos, die sechs Frauen befriedigen und danach immer noch aufrecht stehen, und alle Frauen sind natürlich extrem attraktive Models, die aber den Kerlen kräftig den Arsch versohlen und am Ende die coolsten Actionszenen haben. Wer so stark ist, strotzt freilich auch vor Selbstironie und so gibt es unglaubliche Dialoge, in denen alle Stereotype überspitzt als Geste vorgeführt werden. Zugegeben: Das entschuldigt nicht die entweder engen oder spärlichen Outfits der Frauen in dem Film und noch weniger die Kamerafahrten, mit denen ihre Körper fetischistisch ‚abgecheckt‘ werden. Aber immerhin gibt es genügend Oben-ohne-Szenen mit Vin Diesel, in denen mehr als offensichtlich wird, dass XXX immer noch die größten und festesten Brüste weit und breit hat. „Well, nobody’s perfect.“

Das Ganze wird erfrischend gradlinig und unverschnörkelt erzählt und wird auch dank der tollen Stars einfach nie langweilig: Von Vin Diesel über die Stars des asiatischen Actionfilms Donnie Yen und Tony Jaa hin zum Bollywoodstar Deepika Padukone und der famosen Toni Collette werden alle Figuren durch ihre treffsicher besetzten Schauspieler/innen interessant und sympathisch genug gezeichnet, um mit ihnen mitzufiebern, ohne dass sie dabei je überladen oder bemüht komplex wirkten. Und am Ende gibt es für alle treuen Fans des Franchises noch ein bombiges Cameo von Ice Cube und allerlei selbstironische Sequel-Witze.

Wie es sich für einen guten Hollywoodfilm gehört, der nicht predigt, sondern einfach eine spannende Story erzählt, gibt es auch noch einige nette Denkanstöße, die man in so manchen sich avanciert gebenden Preisträger-Filmen vergeblich sucht: Da wird der Cyberkrieg zur Büchse der Pandora, die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt, nach alternativen Heldenfiguren gesucht, Aufmerksamkeit für den Schrott und die Altlasten des technischen Fortschritts generiert und auf drastische Weise gezeigt, dass trotz aller Virtualitätsphantasmen die Hardware echte Probleme machen kann. Überhaupt bringt der Film das Alte und das Neue auf fulminante Weise zusammen: Wenn es um Cyberkrieg geht, aber die beste Waffe die trainierten Körper der Actionhelden sind, dann gibt es ordentlich überdrehte Old-School-Action mit bester Technik.

Wer sich Gags leistet wie ein Teammitglied, das nur Teammitglied ist, weil es „einfach cool ist, ihn dabei zu haben“, oder einen Stau auf einer Brücke als herrlich banalen Schlusspunkt  einer wilden Verfolgungsjagd, um dann im Stau und auf der stark befahrenen Straße darunter noch wagemutigere und halsbrecherischere Action zu bieten, den muss man einfach mögen. Vergesst das dröge LA LA LAND der selbstverliebten Poser und stürzt euch mutig-beherzt in das herrlich selbstironische Gaga-Land der aufrechten Typen!

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