Wie soll ein Pferd das ertragen?

Die Serie um das depressive Pferd mit glorreicher Sitcom-Vergangenheit geht in die fünfte Staffel. In der animierten Serie können sich Tiere wie Menschen verhalten, ohne dass dies thematisiert wird. Die Hauptcharaktere BoJack Horseman (offensichtlich ein Pferd), Mr. Peanutbutter (Hund), Princess Carolyn (Katze), Diane und Todd (Menschen) erleben auch in dieser Staffel wieder emotionale Achterbahnfahrten, bei denen der Humor aber nie zu kurz kommt.

BoJack hat die Hauptrolle in einer neuen, sehr ambitionierten Serie mit dem Titel „Philbert“ ergattert. Er scheint sein Leben nach den hier bewusst nicht näher genannten Verfehlungen der letzten Staffeln wieder in den Griff zu bekommen. Doch diese Entwicklung wird stark in Frage gestellt: Wenn man so schreckliche Dinge getan hat wie BoJack – hat man es dann überhaupt noch verdient, ein normales Leben zu führen? Wie viel sind wir bereit, Menschen (oder Pferden) zu vergeben, seien es „normale“ Leute aus unserem Leben oder allseits beliebte Prominente? Oder weiter gefasst: Gibt es überhaupt so etwas wie „Gerechtigkeit“?

Diese Fragen werden im Laufe der Staffel auch stark mit Bezug auf die #metoo-Debatte gestellt. Die Antworten, die nur teilweise geliefert werden, sind komplex. Wenn BoJack in einer feministischen Talkshow sitzt und sein Slogan „It’s not okay to choke women“ frenetisch von den anwesenden weiblichen Fans gefeiert wird, fühlt man sich unglaublich schlecht beim Lachen. Der Medienlandschaft wird immer wieder schonungslos ein Spiegel vorgehalten.

Neben dieser Sozial- und Medienkritik spart die Serie auch nicht mit harten philosophischen Wahrheiten. Der große rote Kreis um Nietzsche auf dem Whiteboard des Regisseurs der „Philbert“-Serie ist sicherlich kein Zufall.

Darüber hinaus vergisst BoJack Horseman aber auch nicht, die Möglichkeiten auszunutzen, die sich durch die Animationen ergeben. Unbändige gestalterische Kreativität und Liebe zum Detail sorgen immer wieder für versteckte Witze und absurde Ideen, die zur Auflockerung beitragen.

Am Besten beschreibt BoJack Horseman wohl die Folge, bei der Bojack eine Trauerrede für seine verstorbene Mutter halten soll. Diese Trauerrede wird zu einer 25-minütigen Stand-Up Performance, in der sich Tragik, Komik und Sozialkritik abwechseln, vermischen und zu einem großen, deprimierenden Ganzen werden, getragen von einem überragenden Synchronsprecher und einer kreativen Idee.

 

 

 

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