Ist alles wieder wie immer? – Der neue Stromberg-Film

Nach fünf Staffeln und einem Spielfilm ist mit Stromberg – Wieder alles wie immer eine weitere Fortsetzung der Comedy-Serie Stromberg (2004-2011) in die deutschen Kinos gekommen. So kehrt mit Stromberg Deutschlands schlechtester Chef wieder und mit ihm auch seine Vorurteile gegenüber jeder Menschengruppe außer weißen Männern. Der Film handelt davon, wie eine TV-Produktionsfirma die Wiedervereinigung der Protagonist*innen aus der Versicherungsgesellschaft Capitol plant. Ihre Wege laufen schon lange in unterschiedliche Richtungen. So ist das nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Charaktere eine Zusammenkunft nach längerer Zeit. Tanja und Ulf Steinke sind zwar beide noch bei der Capitol, Tanja steigt jedoch die Karriereleiter hinauf, während Ulf auf der Stelle zu treten scheint. Jennifer Schirmann hat einen neuen Liebhaber und Vorgesetzten, Julian, welcher, eigenen Angaben nach, „Content-Creator“ ist. Berthold „Ernie“ Heisterkamp ist Anti-Mobbing-Life-Coach und Autor. Bernd Stromberg selbst ist bei dem neuen und hochmodernen Unternehmen „Alpha“. Dort soll dann auch die Reunion stattfinden, da beim Fernsehstudio der Produktionsfirma protestiert wird und der Dreh aufgrund eines Vorfalls auf der Kippe steht. Bei seinem neuen Arbeitgeber und Kolleg*innen scheint Stromberg aber nicht ganz die Stellung zu haben, die er vorgibt. Der Film entwickelt sich dann zu einer Art Manhunt-Film, als die Gruppe Bernd Stromberg damit konfrontiert.

Obwohl der Film wieder ikonische und unterhaltsame typisch „strombesque“ Momente kreiert, ist er dennoch ernster und ein wenig düsterer als seine Vorgängerwerke. Den Filmemacher*innen ist diese emotionale Mischung gut gelungen. Die Figuren fühlen sich nach zehn Jahren genauso an, wie damals. Das liegt unter anderem an den guten Leistungen der Hauptdarsteller*innen. Besonders hervorzuheben sind Bjarne Mädels „Ernie“, dessen Entwicklung und Handeln großartig unterhaltsam ist, und Milena Dreißigs „Schirmchen“, die im Verlaufe des Films eine richtige Charakterentwicklung durchmacht.

Mit László Branko Breidings Figur Julian wird eine neue Figur eingeführt. Der Content-Creator erfüllt dabei von Anglizismen bis chronischer Social-Media-Präsenz den Gen-Z-Stereotypen schlechthin. Die Figur löst durch ihr überspitztes Auftreten viel Fremdscham aus und ist somit wie ein moderner Stromberg.

Der Film referiert sich selbst häufig, was für seine Art Film Sinn ergibt, denn er setzt sich kritisch mit der Figur Stromberg auseinander. Vor allem durch die unterschiedlichen Gruppen, die sich vor dem Produktionsgelände sammeln, aber auch durch Diskussionen innerhalb der Angestellten der Produktionsfirma, wird seine Figur ausdiskutiert. Schon zu Beginn wird die Frage aufgeworfen, ob man jemandem wie Stromberg überhaupt noch eine Bühne geben sollte. Gerade das Verhältnis von Typen wie Stromberg und den 2020er-Jahren wird erforscht. Das gelingt auch gut. Stromberg gibt mehrfach vor viel gelernt zu haben, darüber was man noch sagen dürfe und was nicht mehr ginge.

„Hab’ ich immer alles richtig gemacht? Ganz sicher nicht. Kann ich’s ab jetzt besser machen? Aber hundertprozentig. Kann ein Schwarzer in einem Sonnenstudio arbeiten? Über so eine Frage hat man sich ja früher keine Gedanken gemacht. Heute würde ich sagen: ‚Musst du ihn fragen!‘“

Bernd Stromberg in Stromberg – Wieder alles wie immer (2025)

So macht dieser Fokus den Film zu einem anderen Werk als noch sein Vorgängerteil. Dieser hatte zwar auch reichlich Gesellschaftskritik, aber war vor allem eine konsequente Fortsetzung der Serie. Nicht, dass der zweite Stromberg Film keine Fortsetzung sei, der Fokus liegt jedoch nochmal mehr auf Gesellschaftskritik. Es wirkt so, als sei Stromberg nicht zurückgeholt worden, da seine Geschichte zu Ende erzählt werden sollte, sondern um einen gesellschaftskritischen Kommentar abzugeben. Denn genau da liegt die Stärke des Films. 

Das Ende überzeugt. In einer vermeintlich so progressiven Welt, wo alles politisch korrekt sei und man vieles nicht mehr sagen dürfe, gewinnen Rechtspopulist*innen immer mehr an Zustimmung und der deutsche Bundeskanzler wird immer häufiger mit Stromberg verglichen. Das erkennt auch der Film. Diese scheinprogressive Gesellschaft, die keine Homophobie und Misogynie dulde, erlaubt einem Bernd Stromberg ein Comeback mit all seinen menschenfeindlichen Wertvorstellungen. Am Ende wirbt Stromberg unter Beifall des Publikums sogar dafür, dass es wieder einen starken Mann brauche, der sagt, wo es lang geht.

„Wenn keiner mehr Chef ist, dann sind wir alle bloß Angestellte. Und das kann theoretisch funktionieren. Aber theoretisch hat auch die DDR funktioniert.“

Bernd Stromberg in Stromberg – Wieder alles wie immer (2025)

Obwohl wir als Gesellschaft vermeintlich so viel weitergekommen sind, ist am Ende doch alles wie immer.