Was ist in den Semesterferien schöner, als die Prüfungsphase hinter sich zu lassen und mit einem abenteuerlichen und bildgewaltigen Fantasyfilm in eine magische Parallelwelt zu entfliehen? Falls ihr auch Lust auf einen fantastischen Kinoabend habt, dann lasst euch von den Favoriten der Medienredaktions-Autor*innen inspirieren: In dieser Ausgabe unserer Filmklassiker-Reihe stellen wir euch nämlich mit Der Elefant des Magiers (2023), Labyrinth (1986) und King Arthur: Legend of the Sword (2017) drei Filme des Genres vor, die euch in drei ganz unterschiedliche, zauberhafte Fantasyreiche entführen. Viel Spaß beim Lesen!
Der Elefant des Magiers
Gute Fantasy-Filme gibt es viele. Besonders Reihen wie Herr der Ringe, Harry Potter oder Filme von Dreamworks, Disney und Co. sind aus Popkultur und Filmlandschaft kaum wegzudenken. Über sie wurde schon viel geschrieben und gesprochen und auch ich könnte jetzt ausholen. Mitgebracht habe ich jedoch einen unscheinbaren Film, der 2023 völlig unterm Radar in den Tiefen des Netflix-Katalogs erschienen ist. Der Elefant des Magiers ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches aus dem Jahre 2009 von Kate DiCamillo.
Balta war eine magische Stadt. Voller Magie und positiver Energie. Doch als der Krieg kam, verloren die Einwohner der Stadt diese positive Energie und mit ihr verschwand auch die Magie. Durch diesen Krieg hat auch der Junge Peter seine Eltern und seine jüngere Schwester verloren und wird nun vom Veteranen Vilna Lutz großgezogen. Er erzieht den Waisen mit militärischer Disziplin, zu Essen gibt es nur einen kleinen Fisch und hartes Brot. Eines Tages sieht Peter plötzlich ein Magiezelt mit einer Wahrsagerin am Marktplatz. Diese sagt ihm, er müsse dem Elefanten folgen, um seine kleine Schwester wiederzusehen. Als kurze Zeit darauf ein Magier einen Elefanten vom Himmel zaubert ist die Sache für Peter klar: Seine Schwester ist noch am Leben!
Wendy Rogers Animationsfilm hat viel Herz. Häufiger wird auf eigentlich unmögliche Sachen ein schlichtes „Was, wenn doch?“ erwidert. So finden die Einwohner*innen Baltas Stück für Stück ihren Glauben an die Magie zurück. Der Elefant des Magiers erwärmt Herzen und rührt mit seiner Geschichte über Hoffnung. Die Stadt Balta bietet eine wunderschöne Altstadtkulisse und der Animationsstil sieht richtig chic aus. Die Handlung erfindet das Rad nicht neu und die Figuren sind überzeichnet, aber funktionieren gut. Zu viel Komplexität sollte wohl nicht von dem Film erwartet werden, welcher sich primär an Kinder richtet. Durch seine simplen, aber universellen Themen ist er dennoch für jede Altersklasse geeignet. Die Naivität, Gutmütigkeit und der Glaube an Wunder des Protagonisten jedoch geben dem Film seine Magie.
Wenn ihr also mal das Gefühl habt, dass euch die Hoffnung und etwas Magie fehlt, empfehle ich euch eine 90-minütige Reise in das ferne Balta. – Hans
Labyrinth
Zurecht ein Kult-Klassiker! Mit Labyrinth inszenierte Jim Henson 1986 eine Abenteuergeschichte mit Charm und Witz. Wir begleiten die Protagonistin Sarah (Jennifer Connelly) – die eigentlich ein normales Leben in einem Reihenhaus mit ihrer Familie führt – auf ihrer Reise durch das Labyrinth zum Palast des Goblin-Königs (David Bowie). Dieser hat Sarahs kleinen Bruder entführt – wozu Sarah unwissend selbst beigetragen hat. Sie hat nur noch wenige Stunden Zeit, bevor ihr Bruder, der noch ein Säugling ist, in einen Goblin verwandelt wird. Auf ihrer klassischen Heldinnenreise muss Sarah sich Tücken und Tricks stellen (»It‘s a crystal. Nothing more.«), sich durch Höhen und Tiefen kämpfen und sich immer wieder aufs Neue beweisen.
Sarah ist die perfekte Heldin, die an ihrer Reise wächst. Ihr weißes Hemd ruft Assoziationen an einen Ritter, der seine Rüstung abgelegt hat, hervor. Eine Entscheidung, die ihren Mut und ihre Stärke in der Position der vermeintlichen schwächeren Figur im Gegensatz zum König darstellt. Der Goblin-König hingegen erinnert an exzentrische Glam-Rock-Stars. Er wird durch seine Garderobe durchgehend als aristokratischer Antagonist inszeniert. Das Kostüm, das jedoch am meisten beeindruckt, ist Sarahs berauschende Ballkleidung. Buchstäblich traumhaft.
Die Fantasy-Welt des Labyrinths bewegt sich zwischen Traum, Realität und Literatur, was clever miteinander verwoben wird.
Bei den fantastischen Wesen setzt der Film weniger auf Effekte als auf Handwerk. Die Goblins und andere Arten an Lebewesen sind Puppen, was gerade bei den Freundschaften, die Sarah schließt, einen besonders sympathischen Effekt erzeugt.
Der Soundtrack stammt von David Bowie selbst und fügt sich perfekt in seine Glam-Rock-Diskographie ein. Mit „A World Falls Down“ hat er zu einer der eindrucksvollsten Szene des Films – und wahrscheinlich einer der schönsten Ball-Szenen überhaupt – beigetragen.
Labyrinth überzeugt mit Liebe zum Detail und schafft es trotz gängiger Tropen, einzigartig zu bleiben. – Anastasia
King Arthur: Legend of the Sword
Von den Grundelementen der Artus-Sage hat wahrscheinlich jede*r schon einmal gehört: Da haben wir den britannischen König Artus und den Zauberer Merlin, den mythischen Hof Camelot und die Ritter der Tafelrunde, den heiligen Gral und natürlich das Schwert Excalibur, das Artus entweder aus einem Stein ziehen muss oder von der Herrin vom See erhält. Der mittelalterliche Sagenstoff hat seit seiner Entstehung durchweg als Inspiration für Nach- und Neuerzählungen gedient. Daher gibt es auch eine Vielzahl von Spielfilmen und Serien, die sich der Geschichte um König Artus widmen oder zumindest einzelne Bestandteile daraus aufgreifen – von John Boormans Excalibur (1981) über die BBC-Serie Merlin – Die neuen Abenteuer (2008-2012) bis hin zur Monty-Python-Satire Die Ritter der Kokosnuß/Monty Python and the Holy Grail (1975).
Zuletzt hat sich der britische Regisseur Guy Ritchie dem Artus-Stoff angenommen, nachdem er mit Sherlock Holmes (2009) und Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (2011) bereits einen weiteren angelsächsischen Helden seiner Jugend filmisch verarbeitet hatte. In King Arthur: Legend of the Sword (2017) erzählt er nun eine neue Version von König Artus Aufstieg, beginnend mit dessen Kindestagen und gipfelnd in seiner Krönung zum König. Der Film startet mit einem Rückblick: Das friedliche Zusammenleben von Menschen und Magiern im Britannien des 5. Jahrhunderts wird von dem Magier Mordred gestört, der den Hof Camelot und König Uther Pendragon mit seiner Armee und seinen Zauberkünsten angreift. Uther (Eric Bana) kann Mordred zwar aufhalten, aber im Anschluss gelingt es seinem eifersüchtigen Bruder Vortigern (Jude Law), die Macht und die Krone an sich zu reißen. Uther schafft es noch, seinen kleinen Sohn Arthur in Sicherheit zu bringen, dann stirbt er durch die Hand seines Bruders und sein Schwert Excalibur sinkt auf den Grund des Sees vor Camelot. Arthur (Charlie Hunnam) kommt mutterseelenallein in London an und wächst dort in einem Bordell zu einem starken und gerissenen jungen Mann heran, der in seiner rauen Umgebung bestens zurechtkommt, aber nichts von seiner königlichen Abstammung weiß. Als dann jedoch das Wasser vor Camelot Uthers Schwert freigibt und Vortigern seine Herrschaft gefährdet sieht, lässt er alle Männer im richtigen Alter darauf testen, ob sie das Schwert aus dem Grund des Sees ziehen können. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Arthur mit seiner Vergangenheit und seiner wahren Bestimmung konfrontiert wird…
Mit King Arthur: Legend of the Sword ist es Guy Ritchie gelungen, die altbekannte Artus-Sage mit seinem charakteristischen, humorvollen Action-Stil zu verbinden, und daraus einen packenden Fantasyfilm zu erschaffen, der überrascht und unterhält. Der plötzliche Start direkt in die monumentale Schlacht zwischen Mordred und Uther zieht einen gleich in den Bann des Films. Untermalt wird dieser von dem hervorragenden Soundtrack von Daniel Pemberton, der das mittelalterliche Setting und Ritchies moderne Cuts, seine typischen Vor- und Rückblenden, akustisch miteinander verbindet. Charlie Hunnam als widerwilliger Thronerbe und Jude Law als sein finsterer, zauberkundiger Gegenspieler überzeugen genauso wie die Nebendarsteller*innen, darunter Djimon Hounsou, Àstrid Bergès-Frisbey, Aidan Gillen und Annabelle Wallis. Auch visuell macht der Streifen mit den idyllischen schottischen und walisischen Drehorten und einigen überwältigenden Spezialeffekten einiges her. (Achtung: Wer wie Indiana Jones kein Fan von Schlangen ist, sei hier ganz deutlich vorgewarnt!) Historisch korrekt sind Szenenbild und Kostüme sicher nicht, aber der Fantasyfilm gibt sich auch nicht den Anstrich einer Geschichts-Doku.
Insgesamt ist Guy Ritchie mit King Arthur: Legend of the Sword meiner Meinung nach das gelungen, was Peter Jackson mit seiner Hobbit-Trilogie erfolglos versucht hat: einen beliebten Stoff mit Action aufzuladen und auf die große Leinwand zu bringen, sodass ein epischer Fantasystreifen entsteht, der dem Original keine Gewalt antut, aber trotzdem auch für sich allein funktioniert. Den Verzicht auf einen erzwungenen Liebes-Subplot muss man an dieser Stelle ebenfalls lobend hervorheben. Andersherum ist der Film auch eindeutig von Fantasy-Vorgängern und besonders von Jacksons unerreichbarem Herr der Ringe inspiriert: Dass Mordreds riesige Kriegselefanten an die Olifanten aus Harad erinnern, und Camelot in einigen Einstellungen mal Helms Klamm und mal Minas Tirith gleicht, wirkt aber nicht unoriginell, sondern macht einem beim Zusehen erst recht Freude. Außerdem nimmt sich der Film, wie für Ritchies Werk üblich, selbst insgesamt nicht allzu ernst. Auch wenn wir mit Arthur und seinen Begleiter*innen mitfiebern, so wissen wir doch, dass er am Ende den Thron besteigen wird – und amüsieren uns über die Spekulationen der Ritter, was es nun bloß mit dieser eigenartigen runden Tafel auf sich hat, die Arthur im Thronsaal aufbauen lässt: „What is it? A carrousel? A giant wheel of cheese? What are you supposed to do with it?“ – „I know! It‘s a dancefloor!“ – Sonja