Penny Dreadful, Season I – Review

Nur durch Zufall bin ich erst kürzlich auf mein persönliches Serien-Highlight dieses Jahres gestoßen: PENNY DREADFUL. Für jemanden, der sowieso einen Faible für das viktorianische London und die schillernden literarischen Figuren eben jener Epoche hat, ein absoluter Glücksgriff. Die erste Staffel á 8 Episoden lief bereits 2014 und ist mittlerweile auf DVD erhältlich. Inhaltlich geht’s zunächst um Sir Malcolm, seines Zeichens Wissenschaftler, Forscher, Archäologe – oder einfach Abenteurer. Nun ist ihm allerdings seine geliebte Tochter Mina abhandengekommen. Der literarisch interessierte Zuschauer wird hier direkt den Link zu Mina Harker implizieren, denn Mina ist nicht einfach so verschwunden, sondern wurde von einer wild gewordene Horde Vampire entführt – zu Beginn ist allerdings noch nicht klar, dass es sich dabei um Graf Dracula persönlich handelt.

Um seine Tochter wieder in seine Arme schließen zu können, schart Sir Malcolm einen Haufen Verbündeter um sich, eine Art Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Da wäre zum einen die bis zum Schluss durch und durch mysteriöse Vanessa Ives, die schon in Kindertagen mit Mina befreundet war. Sie heuert den amerikanischen Showman Mr. Chandler an, der zwar gut schießen kann, aber offensichtlich der nötige Grips fehlt. Daher kommt noch Victor Frankenstein dazu, quasi als Hirn der Operation. Natürlich darf auch das abstoßende Monster des Doktors nicht fehlen, das in Episode 3 einen mitreißenden Monolog führt – meines Erachtens eine der besten Folgen. Seine Freizeit verbringt das vermeintliche Monster mit Weltliteratur, liest Paradise Lost, und zitiert gerne mal die ein oder andere bekannte Textstelle. Lebemann Dorian Gray darf natürlich auch nicht fehlen, doch wird in der Serie selbst seine eigene Geschichte nicht erwähnt – wer also schon mal das gleichnamige Buch von Oscar Wilde gelesen hat, dürfte die Zusammenhänge schnell beieinander haben. Wie diese unterschiedlichen Figuren miteinander verwoben werden und wie ihre Geschichte zusammenhängen, wird auf großartige Weise  von Drehbuchautor John Logan (der übrigens auch für das Drehbuch für Tim Burtons SWEENEY TODD verantwortlich war) erzählt. Das Ganze wird abgerundet durch ein opulentes und detailverliebtes Bühnen- und Kostümbild.

Im Verlauf der ersten Staffel tauchen dann allseits bekannte Horror-Motive auf, wie Werwölfe, Vampire und andere dämonische Nachtgestalten. Die einzelnen Nebenstränge sind ziemlich gut durchdacht  und spannend (selbst wenn man die Einzelgeschichten der Figuren schon kennt). Vor allem die Hauptdarsteller können durch ihr starkes Spiel überzeugen, allen voran Eva Green und Rory Kinnear (Frankensteins Monster).  Am stärksten sind die Szenen, in denen die Serie ihre eigene Medialität thematisiert. Frankensteins Monster, in Folge Caliban genannt (wie das Ungeheuer in Shakespeares Sturm), findet eine Anstellung im Grand Guignol (hier in London und nicht in Frankreich) und pumpt, unter den Kulissen sitzend, das Kunstblut auf die Bühne.

Fazit: Alle klassischen Literaturmonster zu vereinen war definitiv eine großartige Idee. Penny Dreadful sticht aus dem Dunstkreis anderer Vampir- und Horrorserien deutlich hervor, was neben Szenen- und Kostümbild vor allem am Ensemble liegt. Allen voran Eva Green, die wohl die schockierend beste Besessene gibt, die man seit DER EXORZIST gesehen hat.

 

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