Hast du schon Angst oder lebst du noch?

Von Simone Oger

Jeder hat eine eigene Vorstellung davon, wovor er am meisten Angst hat. Angst ist etwas sehr Persönliches und viele Menschen können nicht über sie reden. Sie existiert in tausend Formen und tritt in den unterschiedlichsten Weisen auf. Der eine hat Angst vor Spinnen oder in engen Räumen, der andere fürchtet sich vor Clowns oder der Zahl 4. Einen Konsens scheint es jedoch schon zu geben: Denn wir alle haben Angst vor dem Unbekannten, Angst vor dem, was die Zukunft bringt, somit final auch Angst vor dem Tod – was natürlich einer Relativität und Individualität unterworfen ist.

So unbegründet eine Angst auch schein mag, so mächtig ist sie über ihren Wirt. Die Angst trägt einen weiblichen Artikel, so wie die meisten bösen Dinge auf dieser Welt, und sie ist steuerbar durch weitere Protagonisten. Ich habe nicht vor eine Abhandlung über die schlimmen Medien zu schreiben, die tagtäglich die Angst vor Anschlägen und Terror schüren und ich halte auch nichts von dem Ausdruck der Lügenpresse. Sehr wohl appelliere ich aber an die Leser und Zuschauer und fordere sie auf, einfach mal ein bisschen mehr nachzudenken. Bilde Dir DEINE Meinung – und zwar nicht nur mit Hilfe der BILD-Zeitung.

Angst zu haben ist normal und wichtig und gehört zu einem menschlichen Leben dazu. Schon als Kind haben wir Angst, dass die Mutter vom Supermarkt nicht wiederkommt, dass wir durch die Schulprüfung fallen, oder dass die große Liebe uns verlässt. Angst hält uns manchmal von törichten Taten ab aber kann uns auch im vermeintlich Sicheren festhalten und uns ausbremsen. Es ist in Ordnung, Angst zu haben und zwar in jedem Alter – unsere Angst gehört immer noch uns! Das Problem mit der Angst ist die Manipulation. Nehmen wir das aktuelle Problem der Flüchtlinge, den Kampf gegen den IS und die wachsende Islamfeindlichkeit, so instrumentalisieren bestimmte Personengruppen die Befürchtungen der Bevölkerung, um ihre Interessen zu verfolgen. Jeder sollte sich überlegen, ob seine persönliche Angst für diese Dinge zur Verfügung steht, oder ob er sich dieser Manipulation auch verweigern kann.

Ich für meinen Teil, habe meine Angst am 11. September 2001 akzeptiert und den Medien meine Angst entzogen. An diesem Tag war ich 12 Jahre alt und habe nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York furchtbare Angst vor einem 3. Weltkrieg gehabt. Dass mein Vater in den Krieg ziehen muss und ich all meine Freunde verliere. Ich habe sehr lange geweint bis ich in meinem kindlichen Kopf einen Entschluss gefasst habe: Stop! Hör sofort damit auf dich verrückt zu machen! Was soll das? Du verschwendest hier gerade Lebenszeit! Lebe mit allem was dazu gehört und habe Angst. Aber genieße jeden Tag.

In diesem Sinne sagt euch das 12-jährige Mädchen von damals: Habt eure eigene Angst aber lernt mit ihr zu leben. Denn das Leben ist zu wertvoll, sich andauernd zu fürchten. Angst als natürlicher Begleiter sollte uns keine Angst machen. Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten und ein friedliches Fest!

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